Fotos sollen dem Betrachter etwas zeigen. Wenn es sich um Fotos von Menschen handelt, möchte man deren Gesicht sehen, weil uns das am meisten über einen Menschen erzählt.
Seit einiger Zeit werden Köpfe immer öfter abgeschnitten. Außer im Sport. Dort zeigt man die Gesichter. Wobei die Sportfotografen dabei teilweise von der guten Beleuchtung der Stadien profitieren. Dazu später mehr.
Man hat manchmal den Eindruck, die Gesichter und damit die Menschen sollen gar nicht mehr sichtbar sein.
Eine Ursache könnte sein, dass der Fotografierende Angst hat die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten zu verletzen, weil er sich a) nicht auskennt und b) sich nicht traut zu fragen, ob er ein Foto von ihnen machen darf.
Bei solchen Anlässen mit Personen der Zeitgeschichte darf man fotografieren. Aber wer dann die Köpfe abschneidet, zeigt, dass man das Handwerk nicht beherrscht.
Hier hat der Layouter geschlampt, denn die Beine und Körper ( oder der Kühlschrank im Hintergrund ) interessieren den Betrachtenden weniger, als die Gesichter.
Wenn bei Prozessen Angeklagte verpixelt, sie also unkenntlich gemacht werden, dann kann man das vor der Verurteilung als Vorsichtsmaßnahme verstehen, um im Falle eines Freispruches nicht jemand zu zeigen, der wohl gar nicht der Täter war. Entsprechend dem Motto: Im Zweifel für den Angeklagten. Ein verurteilter Täter wäre wohl in vielen Fällen eine “Person der Zeitgeschichte“ und dürfte abgebildet werden. Aber da die Journalisten keine Zeit haben, vermeiden sie mögliche Streitigkeiten, indem sie niemand mehr zeigen.
Dass man in vielen Kindergärten und Schulen vorsichtig geworden ist, was das Fotografieren von Kindern angeht, um zu verhindern, dass sie in Medien bloß gestellt werden, ist gut. Aber den Kindern die Köpfe abzuschneiden, wenn es gerade um sie geht, das ist handwerklich Pfusch.
Das Bild ist obendrein schlecht, weil das Licht hinter den Kindern sie selbst im Schatten stehen lässt. Dazu später mehr.
Einen Mangel an Aussage kann noch steigern:
Bilder erzählen normaler Weise eine Geschichte, oder einen Teil davon. Aber was erzählt ein Bild, in dem der Mensch nur noch angeschnitten vorkommt?
Eine Ursache für schlechte Fotos ist, dass man Journalisten dazu drängt “trimedial“ zu arbeiten, also Text, Bild und Film zu liefern. Wenn sie das gut machen wollten, bräuchten sie ungefähr sechs bis neun Jahre Ausbildung. Aber die bezahlt keiner!
Außerdem sagen die Redaktionen: „Du bist doch sowieso da; nimmt ( mit dem Smart-Phone ) ein paar Bilder auf und schick sie uns.” Smart-Phones arbeiten normaler Weise mit einer Automatik. Die kann man zwar überlisten, aber dazu muss man sich auskennen. Sonst gibt es Bilder, bei denen das Wesentliche, das Gesicht, im Schatten verschwindet.
Die Automatik versucht einen Mittelwert für das ganze Bild zu finden und dadurch ist der Himmel schön blau, aber das Gesicht wird zu dunkel, vor allem, da es im Schatten liegt.
Wer findet auf diesem Bild die Telefonzelle? Wieder ist der Himmel schön blau, aber das, was der Fotografierende zeigen will, die Telefonzelle, verschwindet im Schatten.
Viele Aufnahmen mit dem Smart-Phone sind daher falsch belichtet. Dabei sind die Kameras der Geräte recht gut.
Bei der Beleuchtung spielt, wie diese Bild zeigt, auch der Standort des Fotografierenden eine Rolle. Das sieht man auch bei vielen Aufnahmen mit Drohnen. Damit das, was man zeigen will, gut beleuchtet ist, müsste man die Drohne zwischen die Sonne und das Abzubildende steuern. Aber dann könnte ihr Schatten ins Bild kommen. Das will man auch nicht. Also fliegen manche auf die Schattenseite und wundern sich, wenn man das, was sie sehen, auf dem Bild nur schlecht erkennen kann, weil das Gegenlicht die Automatik zu einer falschen Belichtung verführt.
Wenn aber Journalismus heißt: „Sagen, was ist!“ Dann muss Fotojournalismus auch: „Zeigen, was ist!“ Wenn es um Menschen geht - was sonst interessiert die Benutzer - dann muss man deren Gesichter auch zeigen. Sonst könnte man in Ausweisen ja ebenfalls auf die Gesichter verzichten.
Das Bild oben zeigt dass die Köpfe, um die es gehen müsste, abgeschnitten wurden, aber auch, dass die Silbentrennung nicht beherrscht wird.