Pfusch 10: Schlechte Fotos
 
Die Qualität von Fotos hat strak gelitten, seit man in den Verlagen, aber auch in Sendern meint jeder Journalist könne mit einem Smart-Phone auch Bilder und Filme liefern.
Dadurch sank der Wert eines Fotos auf Beträge von wenigen Euros, für die ein Profi keine Qualität liefern kann, ohne in Kürze Pleite zu gehen.
Gemäß dem alten Sprichwort „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.“ kann ein gutes Bild dem Leser wichtige zusätzliche Informationen zu einem Text liefern, wenn es verschiedene Bedingungen erfüllt:
  1. 1. Das Bild ergänzt den Text, indem es etwas zeigt, was der Text nicht vermittelt, im einfachsten Fall ein Gesicht.
  2. 2. Das Fotos ist richtig belichtet.
  3. 3. Es ist aktuell zum jeweiligen Thema gemacht worden, also kein „Symbolbild”.
  4. 4. Das Foto zeigt etwas, was im Text nur schwer zu schildern wäre, oder normaler Weise mit bloßem Auge nicht sichtbar ist, etwa Aufnahmen unter dem Mikroskop.
  5. 5. Der Bildausschnitt und die Perspektive sind so gewählt, dass der Betrachter sich eine gute Vorstellung vom Gezeigten machen kann.
  6. 6. Das Foto zeigt den „entscheidenden Augenblick”, weil ein Fotograf zur rechten Zeit am rechten Platz war.
  7. 7.Das was auf dem Foto gezeigt werden soll ist auch zu erkennen.
Was der Ausschnitt aus der Stuttgarter Zeitung bietet ist gleich in mehreren Punkten ungenügend. Man fragt sich ob der Fotograf hier Rembrandt und seine dunklen Bilder kopieren wollte. Fast alle Bilder der dazu gehörenden Fotostrecke sind zu dunkel, also unterbelichtet. Daher kann man oft gar nicht erkennen, was eigentlich gezeigt werden soll.
Gleich zwei Fehler zeigt das folgende Foto aus der ZEIT:
 
Die kreisförmigen Reflexe im unteren Teil des Bildes dürften durch Lichteinfall ins Objektiv entstanden sein, oder aber durch Reflexe. Viel weiter verbreitet ist der Fehler das Gesicht des Abgebildeten im Dunkeln zu lassen. Das geschieht besonders häufig in Veranstaltungsräumen, die von einer Deckenbeleuchtung erhellt werden. Da das Licht von oben kommt, liegen das Gesicht und vor allem die Augen der Menschen im dunklen Schatten. Wenn man einen Menschen kennen lernen und ihm näher kommen will, dann schaut man unwillkürlich auf die Augen. Das ist bei derartigen Bilder kaum möglich. Ein wichtiger Teil der Persönlichkeit geht für den Betrachter verloren! Wer nicht blitzen will (available light), der muss dann aber eine andere Belichtung wählen, oder das Gesicht mit einem Reflektor erhellen, wie man es oft auf Werbefotos sieht, die fast immer darauf achten, dass die Gesichter gut zu sehen sind.
Da heute Viele meinen, sie könnten Fotografieren, weil ihr Mobiltelefon eine Kamera hat, die zum Teil auch recht gute Möglichkeiten bietet und dem Benutzer vieles über die Automatik abnimmt, sieht man immer öfter Fotos, die eigentlich von fotografischen Laien stammen. Hier ein besonders schönes Beispiel aus der StZ:
 
Die Automatik vieler Geräte „weiß”, dass der Himmel blau sein soll und eine Struktur haben kann. Also wird das Bild so belichtet, dass der Himmel „richtig” dargestellt wird. Aber wehe, wenn dadurch das, was man eigentlich zeigen will, unterbelichtet wird, wie hier die vielen Reisenden, oder auf anderen Bildern ein Kirchturm, um den herum zwangsläufig der Himmel zu sehen ist. Ein richtige Fotograf würde die Belichtung so verändern, dass die Menschen, um die es geht, richtig belichtet sind, auch, wenn dadurch der Himmel zu hell würde (was aber die Automatik manchmal nicht zulässt), oder er würde im Bildbearbeitungsprogramm Helligkeit, Kontrast und Sättigung verändern, ohne das Bild zu verfälschen.
Der Pflicht die Urheber der Bilder zu nennen kommen auch viele Blätter nicht mehr nach. So wird oft ein Foto gezeigt, dessen Urheber mit "dpa" angegeben wird (in der Druckversion heißt er "Zentralbild"). Das sind vielleicht Quellen, aber keine Urheber! Andererseits ist es vielleicht schamvolles Verschweigen, wenn das Bild so schlecht ist, dass es dem Leser auffällt.
 
 
 
Carl-Josef Kutzbach
Montag, 18. November 2019