Was will das sagen? DLF-Eigenwerbung
 
Das Programm Deutschlandfunk Nova (Neues) füllt im ansonsten sehr lesenswerten Programmheft des Deutschlandradios (für Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova) vier Seiten, deren Titelseite behauptet:
„Es ist kompliziert. Dazu guter Pop.”
Das ist nichts-sagend, denn „es” kann Vieles sein. Soll „kompliziert” abschrecken? Oder nimmt die Musik der Komplexität dann doch wieder den Schrecken?
Dann kommt eine Seite mit Erklärungen der Sendungen, die das Programmschema auf der dritten Seite dann zeitlich einordnet. Diese Erklärungen sind meist vage.
Auf der vierten Seite schließlich der Text oben.
„Eigenlob stinkt!” lehrte mich meine Großmutter. Aber ist das überhaupt Eigenlob? Dass im ganzen DLF keine Werbung gesendet wird, ist das das wichtigste Argument auch für dieses Programm und muss es daher an den Anfang?
Das „dafür” ist eine seltsame Behauptung (anstelle der Werbung?), denn die anderen DLF - Wellen, die ebenfalls keine Werbung enthalten, senden ja auch sehr Vieles, wie man im Programmheft auf über 90 Seiten nachlesen kann. Da gibt es für jeden Tag jeweils eine Seite mit Programminhalten, die zum Teil davor oder danach noch ausführlicher beschrieben werden.
Ob Inhalte spannend sein können, darüber könnte man streiten, denn das, was das Radio bringt sind Inhalte, die in einer Form aufbereitet wurden, die dem Hörer dienen soll. Wer es spannend mag, der könnte entsprechende Hörspiele wählen. Nachrichten und anderen Beiträge dienen zunächst mal der Information und weniger der Unterhaltung, oder dem Erzeugen von Spannung.
Nachrichten bringen die beiden anderen Wellen auch und in der Regel sind die sehr gut gemacht.
Mit Menschen, die wirklich was zu erzählen haben”, das klingt, als ob in den anderen Programmen nur Langweiler zu hören wären. Danke werte Kollegen für den Tritt ans Schienenbein.
Und Musik. Na das ist aber mal eine Überraschung!
Das Bekannteste vom Unbekannten. Das ist eine Behauptung, für die der Beweis schwer fallen dürfte.
Was soll diese Ansammlung von Überschriften ohne großen Informationswert?
Soll das ein Entgegenkommen für jene sein, die keine, vollständigen oder gar längere Sätze mehr zu lesen verstehen (wie der amerikanische Präsident)? Oder soll diese Kurzatmigkeit das Tempo und das Lebensgefühl junger Menschen spiegeln? Sollen diese vagen Versprechungen junge Leute dazu bringen das Programm anzuhören? Warum sollten sie es anhören, wenn ihnen nicht Genaues mit geteilt wird, sondern nur eine Sammlung von Allgemeinplätzen? Kaufen die jungen Menschen wirklich „die Katze im Sack”?
Liest man die Inhaltsangaben der jeweiligen Sendungen, dann wird dem Leser Honig um’s Maul geschmiert, dass sie oder er unbedingt dies oder das hören, oder gut finden müsse. Dazu gibt es Eigenwerbung für die Moderatoren und, dass man als Nutzer alles, was man im Programm anbiete, für Einschaltens-wert halten soll. Dabei biedert man sich bei den Nutzern an, redet von „wir” und von „uns”, als ob man sich gut kenne, oder eine große Familie wäre. Aber alles so vage formuliert, dass sich ein Leser alles Mögliche darunter vorstellen kann.
Der ständige Gebrauch von „Wir” könnte allerdings auch ein Hinweis darauf sein, dass sich Einzelne (der Autor, der Moderator, etc.) hinter dem Team verstecken wollen, weil sie sich nicht so recht trauen mit ihrem Namen für etwas einzustehen.Das ist kein Problem von Nova allein. Banken, Zahnärzte und Firmen werben im Internet für sich mit dem Zusatz: „Meine” (Zahnarztpraxis, Bank, etc). Das scheint mir eine plumpe Form der Anbiederung zu sein.
Nun ist es Aufgabe eines Programmheftes für das Programm zu werben. Aber was Nova auf vier Seiten bringt, ließe sich leicht auf einer DIN A 4 Seite vermitteln, wenn man mal von der Grafik absieht, die sich um optische Gags bemüht (Fische schwimmen scheinbar aus einem Pappkarton; ein Mann steckt kopfüber in einer Banananschale), aber ansonsten eher an eine Übungsaufgabe an der Kunstakademie oder in einer Werbeagentur erinnert, oder an eine Spielerei mit ein paar wenigen vorgegeben Elementen. Das trifft leider auch auf andere Teile der grafischen Aufmachung zu.
Früher hieß es: „Wenn einem Grafiker nichts mehr einfällt, macht er irgend wo ein paar Striche hin, und, wenn das Geld dafür langt, in Farbe.” Soll zum Beispiel oben, der breite grüne Strich „Keine Werbung” unterstreichen und hervorheben, oder ist er eine Anspielung auf das grüne Logo oben? Die Grafik erinnert mich an die Avantgarde der jungen Bundesrepublik. Was daran heute neu, modern, reizvoll sein soll, erschließt sich mir nicht. Oder soll das Retro sein?
Bei mir weckt Nova den Anschein, als ob es mit Allgemeinplätzen und vagen Versprechungen junge Menschen anlocken soll. Wenn man dann aber das Engagement junger Menschen gegen den Klimawandel anschaut, wo sie sehr wohl wissen, worum es geht, und was sie wollen, dann frage ich mich, ob diese Wischi-Waschi-Werbung für das Programm bei solchen jungen Leuten ankommt.
Wäre ich jung, hätte ich das Gefühl, dass man mich bei dieser Werbung nicht ernst nimmt und wäre sauer. Ob ich dann das Programm einschalten würde? Keine Ahnung. Ich hoffe nur, dass es viel besser ist, als die Eigenwerbung.
 
Wer das Programmheft des Deutschlandradio haben möchte, kann es online als pdf herunter laden, oder aber sich gedruckt zusenden lassen. Selbst, wenn man nur einen Bruchteil vom Programm anhört, bekommt man bei der Lektüre eine Ahnung von der Vielfalt der Ereignisse und Gedanken im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.
 
 
Carl-Josef Kutzbach
Montag, 24. Juni 2019